Es beginnt meistens im Oktober. Die Unterschenkel spannen nach dem Duschen, die Handrücken werden rau, und irgendwann juckt die Haut abends so, dass man sich unbewusst kratzt.
Das ist keine Frage der Veranlagung allein und auch kein Zeichen dafür, dass man zu wenig trinkt. Es ist die Kombination aus kalter Außenluft und trockener Heizungsluft, und sie trifft in unseren Breiten fast jeden in irgendeinem Ausmaß.
Die gute Nachricht ist, dass die wirksamsten Maßnahmen keine teuren sind. Es geht vor allem darum, weniger falsch zu machen. Wer Pflegeprodukte ergänzen möchte, findet das Sortiment bei Apotheke.at.

Warum die Haut im Winter austrocknet
Vier Faktoren wirken gleichzeitig, und das erklärt, warum es im Winter deutlich spürbarer ist als im Sommer.
Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit aufnehmen als warme. Draußen ist sie also trockener, als sie sich anfühlt.
Drinnen macht die Heizung den Rest. Erwärmte Raumluft senkt die relative Luftfeuchtigkeit stark ab, oft in einen Bereich, in dem die Haut kontinuierlich Wasser abgibt.
Dazu kommen die ständigen Temperaturwechsel zwischen kalt und warm, die die Talgproduktion drosseln, sowie heißes Duschen, das die Haut zusätzlich entfettet.
Zusammen führt das dazu, dass die schützende Fettschicht dünner wird und Feuchtigkeit ungehindert verdunstet.
Was die Hautbarriere eigentlich ist
Man kann sich die oberste Hautschicht wie eine Mauer vorstellen. Die Hautzellen sind die Ziegel, die Lipide dazwischen der Mörtel.
Ist genug von diesem Mörtel vorhanden, bleibt Feuchtigkeit drin und Reizstoffe bleiben draußen. Fehlt er, passiert beides umgekehrt. Deshalb wird trockene Haut nicht nur rau, sondern auch empfindlicher und reagiert plötzlich auf Produkte, die vorher problemlos vertragen wurden.
Pflege bei trockener Haut hat daher zwei Aufgaben: Wasser zuführen und dieses Wasser mit einem Fettanteil festhalten. Nur eines von beidem reicht selten aus.
Duschen: der größte einzelne Hebel
Wenn man nur eine Sache ändert, dann diese. Die Dusche entscheidet über einen erheblichen Teil des Problems.
- Kürzer duschen. Fünf bis zehn Minuten reichen. Lange heiße Duschen fühlen sich im Winter herrlich an und entfetten die Haut deutlich.
- Kühler duschen. Lauwarm statt heiß. Die Haut wird es innerhalb weniger Tage bemerken.
- Weniger Reinigungsmittel. Duschgel gehört an Achseln, Füße und Leiste, nicht großflächig auf Arme und Beine.
- Milde, rückfettende Produkte statt stark schäumender. Viel Schaum bedeutet meist stärkere Tenside.
- Abtupfen statt trockenreiben. Das Handtuch soll die Feuchtigkeit aufnehmen, nicht die Haut abschmirgeln.
Der wichtigste Zeitpunkt kommt direkt danach. Creme innerhalb weniger Minuten auf die noch leicht feuchte Haut auftragen. Dann wird die vorhandene Feuchtigkeit eingeschlossen, statt zu verdunsten.
Was in einer guten Pflege steckt
Bei trockener Haut lohnt der Blick auf einige wenige Inhaltsstoffe, die tatsächlich etwas tun.
Harnstoff, oft als Urea angegeben, bindet Wasser in der Haut und wirkt zusätzlich leicht glättend. Er ist einer der am besten untersuchten Wirkstoffe bei trockener Haut. Auf gereizter oder aufgekratzter Haut kann er brennen, und für Gesicht und Kinder gelten andere Konzentrationen als für Beine. Hier lohnt eine kurze Nachfrage in der Apotheke.
Glycerin zieht ebenfalls Feuchtigkeit an und ist auch für empfindliche Haut gut verträglich.
Ceramide sind Bestandteile des erwähnten Mörtels und unterstützen den Wiederaufbau der Barriere.
Panthenol beruhigt gereizte Haut und wird oft bei geröteten Stellen eingesetzt.
Zur Konsistenz gilt eine einfache Regel: Je trockener die Haut und je kälter die Jahreszeit, desto fetthaltiger darf das Produkt sein. Lotionen für den Sommer, Cremes für den Übergang, reichhaltige Salben für sehr trockene Stellen und für draußen bei Frost.
Hände sind ein Sonderfall
An den Händen ist die Haut dünner, sie hat weniger Talgdrüsen, und sie wird im Winter am häufigsten gewaschen und desinfiziert. Kein Wunder, dass sie zuerst leidet.
Praktisch heißt das: nach jedem Händewaschen eincremen, nicht nur abends. Eine kleine Tube in der Tasche oder am Schreibtisch macht den Unterschied, weil die Creme dann tatsächlich benutzt wird.
Beim Desinfektionsmittel gilt übrigens, dass es die Haut oft weniger belastet als häufiges Waschen mit Seife, sofern es rückfettende Zusätze enthält.
Bei sehr rissigen Händen hilft eine reichhaltige Salbe über Nacht, idealerweise mit Baumwollhandschuhen darüber. Das sieht albern aus und wirkt innerhalb weniger Nächte.
Und draußen Handschuhe tragen. Kälte und Wind entziehen der Haut Feuchtigkeit schneller als alles andere.
Lippen und das Gesicht
Lippen haben keine Talgdrüsen und trocknen deshalb besonders schnell aus. Der reflexhafte Griff, sie zu befeuchten, macht es schlimmer, weil der Speichel verdunstet und dabei zusätzlich Feuchtigkeit mitnimmt.
Ein Pflegestift mit Fettanteil ist die bessere Lösung, gerne mehrfach am Tag und besonders vor dem Rausgehen.
Im Gesicht empfiehlt sich im Winter eine etwas reichhaltigere Tagespflege als im Sommer, und weniger statt mehr Reinigung. Wer zu stark reinigt, entfernt genau das, was schützt.
Die Wohnung mitdenken
Ein angenehmes Raumklima liegt bei etwa 40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit. In beheizten Wohnungen liegt der Wert im Winter oft deutlich darunter.
Ein einfaches Hygrometer kostet wenig und zeigt, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht. Wenn ja, helfen Luftbefeuchter, Wasserschalen an der Heizung oder Zimmerpflanzen, und regelmäßiges Stoßlüften mehrmals täglich.
Die Heizung im Schlafzimmer etwas niedriger zu stellen, tut der Haut ebenfalls gut und dem Schlaf ohnehin.
Wann es mehr als trockene Haut ist
Nicht jede trockene Stelle ist harmlose Winterhaut, und diese Abgrenzung ist wichtig.
Wenn die Haut trotz konsequenter Pflege über Wochen nicht besser wird, wenn stark gerötete, nässende oder schuppende Bereiche auftreten, wenn der Juckreiz den Schlaf stört oder wenn sich Risse entzünden, gehört das ärztlich abgeklärt.

Dahinter können Erkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte stehen, aber auch Schilddrüsen- oder Stoffwechselerkrankungen. Auch manche Medikamente trocknen die Haut aus.
Eine gute Basispflege unterstützt in all diesen Fällen, ersetzt aber keine Diagnose.
Fazit
Dusche kürzer und lauwarm, nutze weniger Reinigungsmittel und creme innerhalb weniger Minuten danach ein. Achte auf Harnstoff, Glycerin, Ceramide oder Panthenol und wähle die Konsistenz nach Jahreszeit. Creme die Hände nach jedem Waschen ein und trage draußen Handschuhe. Und schau einmal auf die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung.
Das ist wenig Aufwand und wirkt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. Bleibt es dabei nicht, ist der Weg in die Ordination der richtige nächste Schritt.



